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Hier erscheinen Beiträge und Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit





  • Entwicklungspolitisches Konzept

  • Nachhaltige Entwicklung
    englisch: sustainable development
    Ein entwicklungspolitisches Konzept, das sozial- und umweltverträgliche Produktions- und Konsummuster sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den Industriestaaten fordert. Wirtschafts- und Entwicklungspolitik sollen so ausgerichtet sein, dass die Befriedigung der Bedürfnisse der heutigen Generation nicht die Chancen künftiger Generationen beeintr¨chtigt. Das Konzept der Nachhaltigkeit wird seit Mitte der 1980er Jahre von allen wichtigen multilateralen Organisationen vertreten und stand im Mittelpunkt des Umweltgipfels 1992 in Rio de Janeiro. Die Propagierung einer nachhaltigen Entwicklung resultiert u. a. aus der Erkenntnis des hohen Konfliktpotenzials zwischen den Interessen der Entwicklungsländer und der Industriestaaten, das die wachsenden Umweltprobleme mit sich bringen. Eine gerechtere Verteilung, aber auch ein schonenderer Verbrauch der natürlichen Ressourcen - vor allem in den Industriestaaten werden daher gefordert. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung verfolgt ähnliche Ziele wie herkömmliche Entwicklungsmodelle: Wirtschaftswachstum, Armutsbekämpfung, Bevölkerungskontrolle, Einsatz neuer Technologien, aber auch die Demokratisierung von Entscheidungsprozessen. Das Wirtschaftswachstum soll jedoch ein qualitatives Wachstum sein. Umweltbelastung und soziale Kosten werden als Opportunitätskosten in die wirtschaftliche Rechnung mit einbezogen. Weitere Ansatzpunkte sind die Erleichterung der Schuldenlast, gerechtere Handelsbedingungen für die Entwicklungsländer sowie eine Reform der internationalen und multilateralen Organisationen. Das größte Problem bei der Umsetzung des Nachhaltigkeits- Konzepts liegt in der mangelnden Bereitschaft der Industrieländer, ihre Produktions- und Konsummuster so zu verändern, dass der globale Raubbau an der Natur gestoppt werden kann.

  • Zeittafel

  • In der hier vorgestellten Zeittafel werden die Veränderungen in Sachen Nachhaltigkeit seit 1972 dargestellt. Dabei werden die soziale, ökonomische und ökologische Dimension der Nachhaltigkeit auf globaler, kontinentaler und nationaler Ebene betrachtet.

    1972
    Die 1.UN-Konferenz über die menschliche Umwelt findet in Stockholm statt, dabei wird das United Nations Enviromental Programme (UNEP) eingerichtet.

    1975
    Der Bericht "Was tun"der Dag Hammarskjöld Foundation wird veröffentlicht.

    1983
    Beschluss der UN-Generalversammlung für die Einrichtung einer "Weltkommission für Umwelt und Entwicklung" Den Vorsitz übernimmt die norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland

    1987
    Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung legt ihren Abschlussbericht "Our common future" vor. Zu deutsch "Unsere gemeinsame Zukunft" Herausgeber Volker Hauff.

    1991
    In Stockholm findet die UN-Konferenz für industrielle Entwicklung statt.

    1992
    In Rio de Janeiro findet die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung statt.
    Dort werden folgende Abkommen verabschiedet: Rio-Deklaration, Agenda 21, Wald-Kovention, Klima-Abkommen, Abkommen über die biologische Vielfalt und die Wüstenkonvention.

    1993
    In Wien findet die Weltkonferenz für Menschenrechte statt.

    1994
    In Kairo findet die UN-Konferenz für Bevölkerung und Entwicklung statt.
    Die 1.Europäische Konferenz über zukunftsbeständige Städte und Gemeinden findet in Aalborg statt. Dort wird auch die Aalborg-Charta verabschiedet.

    1995
    In Kopenhagen findet der Weltgipfel für soziale Entwicklung statt.
    Die 4.Weltfrauenkonferenz findet in Peking statt.
    In Köpenick findet das erste nationale Seminar zur Lokalen Agenda 21 statt.
    1996
    Die Habitat-II- Konferenz findet in Istanbul statt.
    In Rom findet der erste Welternährungsgipfel statt.
    In Marrakesch(Marokko) wird die Welthandelsorganisation (WTO) als Abschluß der Uruguay-Runde des GATT gegründet. Die Bundesregierung stellt den nationale Aktionsplan zur nachhaltigen Stadtentwicklung auf.In Lissabon findet die 2. Europäische Konferenz über zukunftsbeständige Städte und Kommunen statt.

    1997
    Der Earth-Summit Rio+5 findet in New York statt.
    In Kyoto (Japan) findet die UN-Klimakonferenz statt. Dort wird das Kyoto-Protokoll verabschiedet.

    1998
    Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) verabschiedet die Konvention zum Verbot von Kinderarbeit.

    2000
    Die "Urban21" - Konferenz findet in Berlin statt.

    2001
    In New York findet die PrepCom I zur Vorbereitung des Weltgipfels 2002 statt.

    2002
    In Monterrey (Mexiko) findet die UN-Konferenz für finanzielle Entwicklung statt.
    In New York und Jakarta finden die PrepCom II,III und IV zur Vorbereitung des Weltgipfels 2002 statt.
    In Rom findet der 2.Welternährungsgipfel statt.
    Vom 26.08.02 bis 04.09.02 findet der "World Summit on sustainable Development" in Johannesburg statt. Die deutsche Bundesregierung verabschiedet hierzu ihre nationale Nachhaltigkeitsstrategie,
    Titel: "Perspektiven für Deutschland- Unsere Strategie für eine nachhaltige Entwicklung"

  • Begriffsdefinitionen

  • Die hier vorgestellten Begriffsdefinitionen zum Thema Nachhaltigkeit orientieren sich an unseren Unternehmensleitbegriffen von ökologie, ökonomie und Technik. Diese drei Elemente dienen uns als Bildungsinstitution, der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung, zur Entwicklung von integrierten Bildungskonzepten.
    Siehe dazu auch unter Kultureller Dimension.


  • Nachhaltigkeit

  • Der Begriff der Nachhaltigkeit geht auf Georg Ludwig Hartig, den Begründer der deutschen Fortwirtschaft zu Beginn des 19.Jahrhunderts zurück. Hartig verstand unter der nachhaltigen Nutzung eines Waldes ein mechanistisches betriebswirtschaftliches Modell, das auf zwei Grundsätzen beruhte: die Bäume auswachsen zu lassen und jedes Jahr nicht mehr Holz zu schlagen als nachwächst.
    (Das Parlament, Nr.46-47 vom 6./13.11.1998)

  • Von Nachhaltigkeit zu Nachhaltiger Entwicklung

  • Im neuen Konzept der nachhaltigen Entwicklung wird unversehens das Adjektiv "nachhaltig" einem anderen Subjekt zugesprochen. Während vorher der Ertrag von Naturressourcen "nachhaltig" war, konnte es jetzt die Entwicklung sein. Der Bogen dazu wurde 1980 mit der "World Conservation Strategy" von IUCN, WWF und UNEP geschlagen, indem hier das erste mal von "sustainable Development" die Rede ist.
    Mit dieser Verschiebung ändert sich freilich auch der Wahrnehmungsrahmen: anstelle der Natur wird die Entwicklung zum Gegenstand der Sorge und anstelle von Entwicklung wird die Natur zum kritischen Faktor, der im Auge zu behalten ist. Kurz gesagt, die Bedeutung von NHK verlagerte sich vom Naturschutz zum Entwicklungsschutz.
    (W.Sachs, 1997)
  • Nachhaltige Entwicklung

  • Ist die deutsche übersetzung für "sustainable Development".
    Unter nachhaltiger Entwicklung wird seit 1987 die Definition der Brundtland-Kommission verwendet. Sie besagt ": Eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.
    (Bundestags-Drucksache, 13.BT)

  • ökonomische Dimension

  • "Nachhaltigkeit stellt ein gesellschaftlich relevantes Ziel dar, das eine dauerhafte Verfügung über ein Güter- und Dienstleistungenbündel ("nachhaltiges Einkommen") mit der Aufrechterhaltung grundlegender ökologischer Funktionen verbindet.
    (F. Beckenbach, 2000)

  • ökologische Dimension

  • "Angemessene Moderation menschlicher Umwelteingriffe und Entschleunigung menschlicher Aktivitäten, um das endliche und nicht beliebig robuste ökosystem nicht zu überfordern und die Vitalität, Flexibilität, Produktivität und Entwicklungsfähigkeit der Biosphäre nicht zu schwächen oder zu beschädigen."
    (H.-P. Dürr,1998)

  • Effizienz- Strategie

  • Die Effizienz-Strategie zielt darauf ab, betriebliche Wirtschaftlichkeitsprinzipien noch konsequenter als bisher auch auf ökologische Zusammenhänge anzuwenden. Gewünschte Produktionsleistungen sollen mit geringst möglichem Einsatz an Material und Energie erstellt werden. Dies bedeutet eine Verbesserung des Input-Output-Verhältnisses, anders gesagt, eine Steigerung der Stoff- und Energieeffizienz, eine Steigerung der Ressourcenproduktivität. Die systematische Steigerung der Arbeits- und Kapitalproduktivität wird um die systematische Steigerung der Ressourcenproduktivität ergänzt. (J. Huber; 1995)
    Bsp. 3-Liter -Auto, Niedrigenergiehaus, Energiesparlampe

  • Dauerhaftigkeit als Strategie

  • Dauerhaftigkeit wird als eine technisch-wirtschaftliche Strategie einer nutzungsorientierten Dienstleistungsgesellschaft- nachhaltig und umweltschonend, werterhaltend und reichtumsverwaltend, modern und wirtschaftlich, fortschritts- und eigenverantwortlichkeitsfördernd- verstanden.. Ziel eines nachhaltigen Wirtschaftens wird es darum sein, mit einem gegebenem Maß an Rotstoffen und Energie einen möglichst hohen Nutzen über einen möglichst langen Zeitraum zu schaffen.
    (W. Stahel, 1993 und 1999)

  • Globale Dimension

  • "Gerechte Verteilung der irdischen Ressourcen und der vom Menschen geschaffenen Güter unter den Völkern und ihren Menschen; gleichberechtigte Mitbestimmung und aktive Beteiligung aller Menschen an der Organisation und konkreten Gestaltung der Gesellschaft, in der sie leben."
    (H.-P.Dürr, 1998)

  • Kulturelle Dimension

  • Auf globaler Ebene wird eine Vielfalt an eigenständigen Kulturen unter Wahrung der Menschenrechte angestrebt.
    Auf lokaler Ebene wird dabei auf eine individuelle Identität gebaut. Diese individuelle Identität wird durch eine ständige, aktive Pflege der körperlichen und geistigen Befähigungen erreicht.
    Dabei sollen folgende Fähigkeiten gefestigt oder erworben werden: Fähigkeit zum kritischen Denken und zur Selbstreflektion, Interkulturelles Verständnis, Offenheit gegenüber Fremden und Fremdem, Bewusstsein für Zeit und Raum, ganzheitliche Naturwahrnehmung, konstruktive Konfliktbewältigung, Wachheit für letzte Fragen, Bewusstsein von der Geschichtlichkeit der eigenen Existenz, Bereitschaft zu Selbstverantwortung und zu gesellschaftlicher Verantwortung.
    (M.Hofmann, 2002)
  • Quellenangaben

    • Stadtgespräche Nr.33/2002,Hg. Agenda Transfer - Agentur für Nachhaltigkeit GmbH, Bonn


    • BiBB: Pressemitteilung vom 19.7.02: Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung. Neuer Arbeitsschwerpunkt des BiBB. Adresse: www.bibb.de/Forum/Aus den Projekten/Berufsbildung für eine nachhaltige Entwicklung


    • Walter Stahel: Die Strategie der Dauerhaftigkeit, in ökologie der Zeit, Hg. M. Held und Kh. Geißler, Hirzel-Verlag, Stuttgart, 1993


    • Walter Stahel: Nutzen statt besitzen, in Politische ökologie 57/58 Von der Zeitnot zum Zeitwohlstand, ökom-Verlag, München 1999


    • Hans-Peter Dürr: Kein eindeutiges Konzept, in Zukunftsfähiges München, ökom-Verlag, München 1998

    • Wolfgang Sachs: Sustainable Development: Zur politischen Anatomie eines internationalen Leitbildes, in Nachhaltige Entwicklung, eine Herausforderung an die Soziologie, Hg. K.-W.Brand, Verlag Leske & Budrich, Opladen 1997


    • Deutscher Bundestag: Stichwort Nachhaltigkeit, Der Zukunft eine Chance. Die Ergebnisse der Enquete-Kommisssion "Schutz des Menschen und er Umwelt. Ziele und Rahmenbedingungen einer nachhaltigen zukunftsverträglichen Entwicklung." Im 13.Dt.-Bundestag.


    • Das Parlament Nr. 46-47 vom 6./13.11.1999


    • Joseph Huber: Nachhaltige Entwicklung: Strategien für eine ökologische und soziale Erdpolitik, Verlag Edition Sigma, Berlin 1995


    • Frank Beckenbach: Vorlesung Nachhaltig wirtschaften im WS 00/01,
      Adresse: www.wirtschaft.uni-kassel.de/beckenbach/lehre_aktuell.html


    • Manfred Hofmann: eigene Definition im Rahmen des Auftrages für die GNE erstellt,2002.


    • eigene Recherchen